Aktueller Goldkurs

05.12.19, 11:20 Uhr (GMT)

1.248 Euro | 1.475 USD

Goldpreis: Weitere Korrektur oder Fortsetzung der Rallye?

Der Goldpreis konnte die wichtige Marke von 1.500 US-Dollar je Feinunze noch nicht wieder zurückerobern, er bewegt sich derzeit um 1.463 US-Dollar je Feinunze. Experten schätzen die Situation sehr unterschiedlich ein – was ist zu erwarten?

Die Komplexität der Goldpreisbildung

In vielen Aspekten war die Stimmung am Goldmarkt überdreht: Viele Negativszenarien wurden überschätzt, zum Beispiel der Ausbruch einer Weltwirtschaftskrise. Die Anzeichen sind zwar da, doch auch die Korrekturkräfte sind nicht außer Acht zu lassen – davon abgesehen, dass die Zentralbanken hier ordentlich mitmischen. Gehen wir von einem optimistischen Szenario in puncto Weltwirtschaft und Finanzsystem aus, dürfte nach dem seit Jahresbeginn zurückgelegten Anstieg ein Preisniveau von 1.500 US-Dollar je Feinunze Gold wahrscheinlich sein.

Allerdings ist die Anzahl der Einflussfaktoren auf den Goldpreis auch abhängig vom Zeithorizont, der bei den Prognosen zugrunde gelegt wird, ab: Im Kurz- und Mittelfristbereich, also über einen Zeitraum von einem bis drei Jahren, wirken sich die fundamentalen Impulse, wie beispielsweise die Entwicklung von Zinsen, Geldmengen oder Prämien am Kreditmarkt, relativ wenig aus. Auf die lange Distanz zeigt sich jedoch, dass die enorme Ausdehnung der Geldmenge, die eben nicht gedeckt ist, durchaus einen Einfluss auf den Goldpreis ab. Schon heute leiten sich daraus nämlich deutliche Argumente für einen Preisanstieg ab. Sollten Anleger sich darüber klarwerden, dass die Rückkehr zu einem normalen Zinsniveau gar nicht mehr möglich ist, wird der Preis für das gelbe Edelmetall kräftig anziehen – so die Experten.

Das beste Beispiel: Die großen Notenbanken

Allein die Zentralbanken haben seit Beginn dieses Jahres rund 12 Prozent mehr Gold nachgefragt als im Vorjahr – wir reden hier immerhin von 547,5 Tonnen. Allen voran traten hier die Notenbaken der Türkei, Russlands und Chinas, die großen Wert auf Diversifikation legen. Die relevanten Währungen wie US-Dollar und Euro reichen offenbar nicht mehr aus, Gold wird in diesen Kreisen immer begehrter. Allerdings haben diese Ankäufe kaum Einfluss auf den Goldpreis gehabt, im Gegensatz dazu wirkten sich die Zinsentwicklung in den USA und die Bestände in ETFs dramatischer aus.

Vor diesem Hintergrund tun sich Experten schwer, die Entwicklung des Goldpreises für die nächsten zwölf Monate verlässlich vorherzusagen. Dennoch erscheint ein weiterer Anstieg durchaus plausibel: Einerseits liegt das aktuelle Preisniveau noch immer unter dem fairen Preis von rund 1.500 US-Dollar je Feinunze. Andererseits lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer Krise – sowohl im Wirtschafts- als auch im Finanzsystem – nicht von der Hand weisen. Im Gegenteil, das Risiko steigt auch angesichts der Interventionen ebenso täglich an wie die Gefahr einer Entwertung der großen Währungen. Sobald den Anlegern bewusst wird, was die Politik der Zentralbanken wirklich nach sich zieht, sind 1.700 US-Dollar für die Feinunze keineswegs zu hoch gegriffen.