Aktueller Goldkurs

05.12.19, 11:20 Uhr (GMT)

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Goldpreis: Schallmauer durchbrochen – Gold teurer als 2.000 US-Dollar je Feinunze!

Ein Edelmetall schreibt Geschichte: Die einstige Rekordmarke von 1.921 US-Dollar für die Feinunze ist ebenso gerissen wie die magische Marke von 2.000 US-Dollar – und doch könnte der aktuelle Höchststand nur eine Etappe darstellen.

Es lag schon eine ganze Weile in der Luft, nun scheint es kein Halten mehr zu geben: Der Goldpreis notiert aktuell bei 2.036 US-Dollar für die Feinunze – und die weiteren Aussichten sind nicht schlecht. Damit konnte das Edelmetall seit Jahresbeginn um rund 35 Prozent zulegen. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Ursachen, zumal diese auch in der nächsten Zeit das Geschehen bestimmen werden.

Die Treiber: schwacher US-Dollar, negative Real-Renditen und ETF-Zuflüsse

Natürlich spielt die Corona-Pandemie eine wesentliche Rolle, sie hat letztendlich die sich schon vorher schwächelnde Wirtschaft in eine existenzielle Notlage gebracht. Andererseits dürfen die Großinvestoren nicht unerwähnt bleiben, die die Gold-ETFs geradezu geflutet haben – und zwar in einem Rekordtempo. Dieser Ansturm, der auch physische Münzen und Barren umfasst, wird von einem immer schwächer werdenden US-Dollar noch befeuert. Zu groß ist die Verunsicherung zu den ökonomischen Folgen der Corona-Krise, zumal Sparer schon seit geraumer Zeit im Zuge der Nullzinspolitik, die sich unter dem Strich in negativen Zinsen manifestiert, kaum noch Alternativen sehen. Diese zwischenzeitlich schon als experimentell zu bezeichnende Geldpolitik führt dazu, dass sichere Geldanlagen wie Termin- und Tagesgeld auf absehbare Zeit keine nennenswerten Renditen mehr einspielen werden. Wer sich jedoch für Währungen wie den Euro oder den US-Dollar entscheidet, muss einen schleichenden Verlust der Kaufkraft hinnehmen.

Blick in die Geschichte: Entwicklung des Goldpreises

Die psychologische Komponente des Überschreitens des vorherigen Höchststandes, der im Jahr 2011 mit 1.921 US-Dollar markiert worden war, sollte nicht unterschätzt werden – zumal die Zyklen, die ein solches Edelmetall durchläuft, durchaus ein enormes Machtpotenzial entfalten können.

In den 1970er Jahren, in denen die Wirtschaft nicht mehr wuchs, aber die Preise weiter stiegen (Stagflation), erlebte Gold eine ähnliche Hausse. Eine vom Aufschwung verwöhnte Generation erhielt einen drastischen Dämpfer, die US-Politik tat ein Übriges, um das Edelmetall wieder in den Fokus der Anleger zu rücken. Voraussetzung war natürlich, dass US-Präsident Nixon im Jahr 1971 den Goldstandard für die US-Währung aufgehoben hat. In der Folge wertete der Greenback kräftig ab, was dem Goldhandel Tür und Tor öffnete: Der Preis von rund 37 US-Dollar für die Feinunze schoss in der folgenden Dekade bereits auf über 800 US-Dollar für die Feinunze.

Dem Hoch aus dem Januar 1980 folgte jedoch eine Schwächephase des Edelmetalls, was einerseits der restriktiveren Geldpolitik der FED und dem Ende der Stagflation, andererseits dem einsetzenden Aktienboom geschuldet war. Als der Eiserne Vorhang schließlich fiel, war Gold weitestgehend aus dem Fokus der Anleger verschwunden. Es brauchte bis zur New-Economy-Blase und zum Terroranschlag vom 11. September 2001 mit seinen drastischen geopolitischen Folgen, dass Gold wieder interessanter wurde – der Preis war zwischenzeitlich wieder auf knapp über 250 US-Dollar je Feinunze abgesunken. Dieser Zyklus hielt wiederum rund zehn Jahre bis 2011, als der bisherige Höchststand erreicht wurde. Dann jedoch trat die EZB auf den Plan: Mario Dragi öffnete die Schleusen, um die Euro-Schuldenkrise vermeintlich zu lösen – und den Goldpreis auf rund 1.000 US-Dollar je Feinunze zurückfallen zu lassen.

Und nun sind wieder fast zehn Jahre vergangen: Bereits im Juli dieses Jahres verteuerte sich das Edelmetall um rund elf Prozent – ein erster Hinweis auf Kommendes. Bei all den Schwankungen, die für den Goldpreis zu erwarten sind, sehen Analysten durchaus die Chance, die Marke von 2.300 US-Dollar innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zu knacken. Wir dürfen gespannt sein.