Aktueller Goldkurs

05.12.19, 11:20 Uhr (GMT)

1.329 Euro | 1.475 USD

Goldpreis: Grundsätzliche Gedanken – Gold und das Finanzsystem

Während der Goldpreis wieder um die Marke von 1.500 US-Dollar für die Feinunze kämpft, sehen Experten ein enormes Aufwärtspotenzial. Nicht zuletzt das Missverhältnis zwischen Umlauf- und Realbestand spricht dafür.

Gold: Als Anlageklasse nach wie vor unverstanden

Es liegt vor allem an der Tatsache, dass Gold als Rohstoff gehandelt wird, dass viele Anleger die wahre Funktion des Edelmetalls verkennen: Gold ist de facto Geld – und genau diese Erkenntnis liegt nicht im Interesse der relevanten Zentralbanken dieser Welt. Gleichwohl bunkern sie im Auftrag ihrer Staaten enormen Mengen an Gold in ihren massiven Tresoren, es handelt sich immerhin um 35.000 Tonnen! Rund 2.800 Tonnen lagern allein beim IWF, der das Edelmetall im Jahr 1974 gezielt demonetisierte. Und das aus gutem Grund: Derartige Institutionen bevorzugen ungedeckte Geldvarianten, also die gängigen Währungen, auf die sie ein Monopol halten. Im Gegensatz dazu entzieht sich Gold diesem Monopol – jedenfalls bisher.

Gold reagiert deswegen durchaus nicht berechenbar: Einerseits wirken sich Inflation und Deflation sowie die Realzinsschwankungen auf den Goldpreis aus, andererseits haben wir es mit einer realen Verknappung zu tun, denn es steht bei Weitem nicht ausreichend physisches Gold zur Verfügung, um im Ernstfall die Anforderungen aus Gold-Futures bedienen zu können. Hierfür ist laut US-Recht eine Frist von 28 Tagen vorgesehen, soll der Terminverkauf seinen Charakter erhalten. Kann diese Frist vom Verkäufer nicht eingehalten werden, liegt ein Terminkontrakt vor – und der ist nur an einer regulierten Warenterminbörse erlaubt.

Realer Goldbestand vs. Umlaufbestand vs. Papiergold

Wie sieht aber die Realität aus? Diese Vorschriften werden de facto permanent ignoriert, weil Goldhändler die Frist nicht einhalten können. Bislang verfolgt die US-Regierung diesen Tatbestand nicht, denn derartige Terminverkäufe müssten den Open-Interest-Positionen, die von den Warenterminbörsen zu veröffentlichen sind, zugeschlagen werden. Damit würden die Missverhältnisse zwischen tatsächlich lieferbarem Umlaufbestand an Gold und auf der Welt vorhandenem Gesamtbestand einerseits und Umlaufbestand und Papiergold-Bestand andererseits transparent machen.

Das Ganze funktioniert nämlich so: In den FED-Tresoren lagert zum Beispiel deutsches Gold. Das wird in London von der Bank for International Settlements (BIS) in Basel an die Investmentbank Goldman Sachs verleast. Auf dieser Grundlage können Terminverkäufe gestützt werden – und zwar in zehnfacher Höhe der eigentlichen Goldmenge. Unter dem Strich gibt es also nur ein Zehntel der gehandelten Goldmenge in physischer Form – zumindest theoretisch, denn auch diese Menge ist nur geleast und lässt sich bei Bedarf von Markt nehmen. Die Deutsche Bundesbank könnte diese Goldmenge nämlich auch verkaufen, sodass diese nicht mehr für den Handel zur Verfügung steht. Damit wäre der Gesamtbestand gleichgeblieben, der Umlaufbestand jedoch ist kleiner geworden. Schon vor diesem Hintergrund wird klar: Lieferengpässe liegen im System – und könnten dieses letztendlich zu Fall bringen.