Aktueller Goldkurs

15.12.17, 11:09 Uhr (GMT)

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Rätsel um die Goldnachfrage – reicht das Angebot?

Die Zahlen des World Gold Council (WGC) geben Rätsel auf: Sie weisen für 2014 eine Gold-Nachfrage aus China und Indien in Höhe von 3.100 Tonnen aus – bei der weltweiten Gold-Produktion von 3.115 Tonnen für den Zeitraum von einem Jahr bis Ende September. Wo kommt das sonst in der Welt veräußerte Edelmetall her?

Statistiken und ihre Fehler

Bei gründlicher Recherche aller zu berücksichtigenden Aspekte ist die Gold-Nachfrage aus China eher höher, als der WGC ausgewiesen hat. Sie könnte sich durchaus auf 2.100 Tonnen belaufen, ohne dass die rund 50 Tonnen, die aus Hong Kong bezogen wurden, berücksichtigt wären. Für Indien ist ein ähnlicher Trend auszumachen, insbesondere die Restriktionen für den Import lassen den Schmuggel mit dem Edelmetall blühen. Aber auch ohne die Zahlen für diese beiden Länder nach oben zu korrigieren, stellt sich die Frage, wie die mehr als 1.500 Tonnen Gold, die von anderen Ländern nachgefragt werden, bedient werden sollen.

Unter Berücksichtigung der Statistiken des Gold Demand Trend und der Zahlen des WGC ist eine Größenordnung dieser Nachfrage von rund 1.566 Tonnen Gold wahrscheinlich. Wenn die weltweite Produktion aktuell 3.115 Tonnen pro Jahr ausmacht, dürfte ein Angebotsdefizit die Folge sein. Wie der WGC weiter ausführt, existiert über die Minenproduktion hinaus ein weltweites Angebot an Gold mit einem Volumen von 1.143,5 Tonnen. Wird nun angenommen, dass die Goldproduktion für den offiziellen Bedarf von Indien und China ausreicht, bleibt immer noch eine Differenz von 420 Tonnen, die gedeckt werden soll.

Insgesamt ist zu erwarten, dass die Goldproduktion sinkt, zum einen hat der niedrige Goldpreis weitere Erschließungsmaßnahmen zu teuer gemacht, zum anderen wird die Konzentration immer niedriger und damit die Produktion immer kostenintensiver. Warum stagniert dann der Goldpreis?

Aktuelle Situation und Prognose

In den letzten Tagen bewegt sich der Preis pro Feinunze zwischen 1.190 und 1.200 US-Dollar, von einzelnen Ausschlägen abgesehen. Die Erwartungen im Bezug auf das Gold-Referendum, das am Sonntag in der Schweiz stattfindet, sind gemischt, die Prognosen widersprüchlich. Trotzdem müsste die starke Nachfrage einen deutlichen Aufwärtstrend auslösen, allerdings drücken sowohl der US-Dollar als auch der große Markt für Papiergold immer wieder den Preis. Vor dem Hintergrund des drohenden Angebotsdefizits entsteht aber ein enormes Potenzial nach oben, das zu einem schnellen und kräftigen Ausbruch führen kann. Den richtigen Zeitpunkt abzupassen, dürfte jetzt die größte Herausforderung sein. Am 30.11. wird die Schweiz mit Sicherheit ein wichtiges Signal geben, es bleibt nur die Richtung abzuwarten.