Aktueller Goldkurs

20.04.18, 12:54 Uhr (GMT)

1.082 Euro | 1.340 USD

Goldpreis zwischen drohendem Handelskrieg und schwachem Euro

Die Auseinandersetzungen zwischen den USA und China bestimmten den Goldpreis in den letzten Tagen: Stieg das Edelmetall zunächst, musste es alle Gewinne wieder abgeben, als sich Verhandlungsbereitschaft abzeichnete – und der Euro im Verhältnis zum US-Dollar nachgab.

Handelsstreit noch nicht vom Tisch – enormes Eskalationspotenzial

US-Präsident Donald Trump sorgt mit seinen angekündigten Strafzöllen auf chinesische Waren für hitzige Diskussionen, China ließ nicht lange mit Gegenmaßnahmen auf sich warten. Auf 106 US-amerikanische Waren sollen Strafzölle von bis zu 25 Prozent erhoben werden – darunter auch US-Waffen mit einem Wert von 50 Milliarden US-Dollar. Die Folge: Die Aktien, großen Indizes und auch Rohstoffe gingen auf Talfahrt – zumindest kurzfristig. Die Wellen schlugen hoch, selbst die DAX-Werte waren betroffen. Die chinesische Liste mit bei Bedarf zu verzollenden Gütern enthält neben Flugzeugen und Autos auch Chemieprodukte, was Boeing, den US-Automobilherstellern und Caterpillar ein kräftiges Minus bescherte.

Im Gegenzug stieg Gold auf knapp 1.350 US-Dollar je Feinunze, was als klares Anzeichen einer Verunsicherung der Marktteilnehmer gewertet werden konnte. Allerdings setzte ebenso schnell eine Beruhigung ein, als die Gegner im Handelsstreit ihre Bereitschaft zu Verhandlungen signalisierten. Gold musste daraufhin seine Gewinne wieder abgeben und fiel auf 1.325 US-Dollar je Feinunze zurück. Zwischenzeitlich konnte sich das Edelmetall wieder stabilisieren, kämpft aber immer noch um die Marke von 1.330 US-Dollar für die Feinunze – und dafür zeichnet auch die europäische Gemeinschaftswährung verantwortlich.

Euroraum: Schwächelnde Wirtschaft setzt Gemeinschaftswährung unter Druck

Der Anstieg des US-Dollars im Verhältnis zum Euro ist nämlich kein Zeichen seiner Stärke, sondern der Schwäche der Gemeinschaftswährung geschuldet: Die Wirtschaft im Euroraum präsentiert sich keineswegs so robust, wie das regelmäßig postuliert wurde. Der Euro fiel teilweise auf unter 1,2225 im Verhältnis zum US-Dollar, nachdem er Anfang der Handelswoche noch über 1,2340 notierte. Für Gold verschlechtern sich somit die Voraussetzungen, da einerseits ein stärkerer US-Dollar Alternativen eröffnet, andererseits angesichts der vermeintlichen Entspannung die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer wieder steigt.

Dabei empfiehlt es sich, das Geschehen genau im Auge zu behalten: Es steht eine weitere Runde mit US-Strafzöllen ins Haus, die Bekanntgabe wird kurzfristig erwartet – die Folgen sind insbesondere für die US-Wirtschaft noch gar nicht zu überblicken. Gleichzeitig laufen in den USA Ermittlungen an, die China des Diebstahls von geistigem Eigentum und gravierender Copyright-Verletzungen überführen sollen. Hier schlummert ein weiteres enormes Konfliktpotenzial, das derzeit noch wenig beachtet wird. Der Begriff “Handelskrieg” ist demnach nicht zu weit hergeholt, eine Klärung ist nicht in Sicht – Gold bleibt damit nach wie vor hochinteressant.