Aktueller Goldkurs

18.12.17, 19:27 Uhr (GMT)

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Goldpreis und Nullzinspolitik: Hat die EZB Ihr Arsenal verschossen?

Der Goldpreis hatte sich in den letzten Tagen mit einigen Widerständen auseinanderzusetzen, testete ausgiebig die Unterstützung – bis Mario Draghi auf den Plan trat: Zunächst beflügelten die neuen EZB-Maßnahmen die Aktienmärkte und schickten den Euro und Gold auf Talfahrt – diese “Freude” währte allerdings nicht lang.

Der Goldpreis im Wechselbad der Gefühle

Es war ein aufregender Tag – sowohl für Anleger als auch für sämtliche Bankkunden: Am Donnerstag verkündete Mario Draghi die mit Spannung erwarteten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Konjunktur im Euro-Raum nun endlich ankurbeln sollen – allein, es fehlt der Glaube. Zunächst verliefen die Reaktionen auch planmäßig, denn die Aktienmärkte schwangen sich zu neuen Höhen auf, der Euro hingegen verlor kräftig gegen den US-Dollar. Dieses Spektakel dauerte indes nicht lang: Der Dax musste einen kräftigen Abschlag hinnehmen, der Euro stabilisierte sich wieder und stieg auf mehr als 1,11 im Verhältnis zum US-Dollar – und Gold? Nach einem Rücksetzer auf 1.140 US-Dollar für die Feinunze nahm das Edelmetall ordentlich Schwung und eroberte die 1.170 US-Dollar für die Feinunze zurück – Tendenz steigend.

Selbst der historische Schritt, die Leitzinsen auf 0 Prozent (in Worten: Null Prozent) zu senken, konnte diese Entwicklung nicht verhindern. Über diese faktische Abschaffung der positiven Zinsen hinaus erhöhte Mario Draghi aber auch die Negativzinsen von 0,3 auf 0,4 Prozent – wollen Banken nun ihre Bestände bei der EZB parken, dürfen sie ordentlich dafür löhnen. Das Anleihekauf-Programm, das für Staats- und Unternehmensanleihen ausgelegt ist, wird ebenfalls kräftig erweitert – die Geldflut nimmt also weiter ihren Lauf.

Allerdings wächst auch die Kritik, denn bislang lassen die Effekte dieser Politik auf sich warten: Weder die Konjunktur wurde angekurbelt, noch bewegt sich die Inflation auf dem angepeilten Niveau von knapp unter zwei Prozent. Es stellt sich also die Frage, ob dieser extreme Schritt nun überhaupt noch von Erfolg gekrönt sein kann. Die Intention, die Kreditvergabe anzukurbeln, konnte bislang auch nicht mit Leben erfüllt werden, das Geld wird gebunkert.

Aussichten für den Goldpreis

Der grundlegende Trend für das Edelmetall war schon vor der EZB-Pressekonferenz positiv – allen Gewinnmitnahmen zum Trotz. Die Unterstützung bei 1.248 US-Dollar wurde zwar nach unten durchbrochen, jedoch nur kurzfristig. Mit Widerständen ist bei 1.179 US-Dollar zu rechnen – von da an könnte es aber auch auf 1.300 US-Dollar pro Feinunze weitergehen. Aktuell arbeitet sich der Goldpreis Schritt für Schritt nach oben – diese Entwicklung dürfte von einer starken Nachfrage getragen werden, die wiederum von der massiven Verunsicherung durch eine konfuse EZB profitiert.