Aktueller Goldkurs

16.11.18, 22:11 Uhr (GMT)

1.077 Euro | 1.222 USD

Goldpreis: Starke Korrektur – Erholung könnte etwas Zeit brauchen

In der vergangenen Handelswoche musste der Goldpreis einen kräftigen Schlag einstecken: Zwischenzeitlich fiel er auf 1.160 US-Dollar je Feinunze – mittlerweile konnte er sich wieder auf 1.185 US-Dollar zurück arbeiten. Was ist passiert?

Gold verliert kräftig: US-Dollar und Türkei als Auslöser

Mit rund einem Minus von rund 1,6% musste der Goldpreis am 16. August eine deutliche Korrektur hinnehmen – in diesem Fall markierte er ein neues 19-Monatstief, in Euro gerechnet fiel er sogar auf ein Niveau, auf dem sich das Edelmetall seit zweieinhalb Jahren nicht mehr bewegt hat. Daraus leitet sich schon ab, dass der starke US-Dollar nicht der einzige Grund für diese Entwicklung sein kann. Nicht zu verkennen ist der Einfluss der spekulativen Verkäufe und einer schwache Rupie, die insbesondere durch den freien Fall der türkischen Währung mit in den Strudel gerissen wurde. Die Folge: Die regelmäßig im Herbst anziehenden privaten Goldkäufe in Indien dürften wohl eher zurückhaltend ausfallen.

Ein Blick auf die Türkei darf nicht ausbleiben: Sollten die vom Internationalen Währungsfonds (IMF) veröffentlichten Daten stimmen, hat sich der Goldbestand der türkischen Zentralbank (TCMB) seit Mitte April reduziert – die Parallelen zum Goldpreis drängen sich geradezu auf: Ende März belief sich der Bestand auf 582 Tonnen Gold, was der Türkei einen Platz unter dem Top 10 weltweit einbrachte. Ende Juni werden jedoch nur noch 240,2 Tonnen vom World Gold Council gemeldet – das bedeutet den Rang 21 der Welt-Rangliste. Die Währungsprobleme der Türkei sind also keineswegs plötzlich aufgetreten, vielmehr sollten die Goldverkäufe die Türkische Lira stützen. Allerdings hat dies offensichtlich nicht ausgereicht.

Goldnachfrage im Keller – Überangebot dehnt sich aus

In den letzten Monaten ist klar geworden, dass selbst eskalierende Krisen und sich abzeichnende wirtschaftliche Probleme kaum dazu angetan sind, die Nachfrage nach Gold zu steigern. Deutlich stärker ist nach wie vor die Korrelation zwischen US-Dollar und Goldpreis – und das vor allem, weil die US-Währung derzeit wegen der schon höheren und noch weiter steigenden US-Zinsen aufwertet. Vor diesem Hintergrund wir auch klar, dass die institutionellen Investoren unterschiedlich agieren: Während die nordamerikanischen Anleger Kapital aus den Gold-ETFs abziehen, legen Europäer und Asiaten zu.

Beim physischen Gold hingegen drückt ein wachsendes Überangebot auf den Goldpreis: Die Nachfrage fiel im ersten Halbjahr 2018 auf 1.959,9 Tonnen – so wenig wurde zuletzt 2009 gekauft. Im Gegenzug wurden allein im zweiten Quartal mehr als 1.120 Tonnen Gold gewonnen, wobei vor allem der Anteil an recyceltem Gold gewachsen ist, nämlich auf fast 295 Tonnen. Der Preisverfall ist demnach nicht verwunderlich, zumal die FED bereits in einem Monat einen weiteren Zinsschritt realisieren wird. Wie Gold das verkraftet, bleibt abzuwarten.