Aktueller Goldkurs

15.12.17, 23:00 Uhr (GMT)

1.063 Euro | 1.255 USD

Goldpreis – Prognosen fallen sehr unterschiedlich aus

Nach einem furiosen Wochenauftakt, als der Goldpreis auf über 1.222 US-Dollar je Feinunze ansteigen konnte, folgte der Rutsch unter die 1.200-er Marke, die aber seither verteidigt wird. Experten, wie beispielsweise Eugen Weinberg von der Commerzbank, sehen den starken US-Dollar und die aus seiner Sicht robuste US-Wirtschaft als Ursachen – Alan Greenspan dagegen vertritt dazu eine ganz andere Meinung.

Wirtschaftliche Risiken – Meinungen gehen auseinander

Während der Rohstoffexperte Eugen Weinberg für die US-amerikanische Wirtschaft ein gutes Zeugnis ausstellt, machte Alan Greenspan als ehemaliger FED-Chef seinen Bedenken Luft: Fehlende langfristige Investitionen hätten den Anstieg der Produktivität in der US-Wirtschaft auf ein Niveau wie in den 1970er Jahren zurückbefördert. Insgesamt bescheinigt er eine schwache Nachfrage, die an das Ende der Weltwirtschaftskrise erinnere. Die boomenden Aktienmärkte führte er auf die enormen Geldmengen zurück, die wegen der anhaltend niedrigen Zinsen keine Anlageralternative hätten. Sollten die realen Zinsen jedoch steigen, drohe ein Solvenz-Problem – und das in großem Maßstab.

Ebenso drastisch gehen die Ansichten im Bezug auf Griechenland auseinander: Sieht Weinberg das Problem als faktisch erledigt an, spekulieren Investoren auf einen Zerfall der Euro-Zone. Die junge griechische Regierung steht vor immensen Herausforderungen und wird doch immer wieder von EU, EZB und IWF in die Grenzen verwiesen – fragt sich nur: Wie lange wird das gut gehen? Ein Austritt aus der Gemeinschaftswährung dürfte ein fatales Signal nach Südeuropa sein, denn sowohl in Spanien als auch in Italien könnte die Opposition davon profitieren – von Frankreich ganz abgesehen.

Aussichten für den Goldpreis

Als Vermögensschutz gegen Inflation wird Gold im Moment nicht benötigt, die deflationären Tendenzen sind ganz einfach zu stark. Darüber hinaus beginnt am 9. März das Quantitative Easing der EZB – falls sich die europäischen Banken von ihren sicheren Staatsanleihen trennen. Mit 60 Milliarden Euro im Monat soll die Inflation angefeuert werden, die Erfolgsaussichten bleiben ungewiss. Der starke US-Dollar, der dem Euro einen neuen Tiefstwert bei 1,10 verpasst hat, drückt den Goldpreis ebenso wie die Aussicht auf weiterhin niedrige Zinsen.

Allerdings sollten die Warnungen eines Alan Greenspan, der nur einer von vielen Experten ist, nachdenklich machen: Die aufgeblähten Aktienmärkte benötigen nur einen kleinen Impuls, um zu implodieren – lediglich der Zeitpunkt ist offen. Die Unsicherheiten im Euro-Raum sind bei Weitem noch nicht ausgestanden, im Gegenteil, die Entwicklung der Lohnstückkosten klafft weit auseinander. Damit sind neue Verwerfungen vorprogrammiert, die sich nicht mit EZB-Maßnahmen kitten lassen. Greenspan prognostizierte, dass der Goldpreis deutlich steigen werde – die stabile Nachfrage aus China sorgt schon aktuell für einen Trend nach oben.