Aktueller Goldkurs

24.04.18, 10:48 Uhr (GMT)

1.084 Euro | 1.327 USD

Goldpreis: Es geht leise seitwärts – ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Seit Anfang des Jahres bewegt sich der Goldpreis in einem Kanal seitwärts – ohne größere Ausschläge und damit recht unspektakulär. Angesichts des globalen Umfelds könnte diese Ruhe jedoch trügerisch sein.

Goldpreis bewegt sich kaum: Langweilig oder stabil?

Es ist eine Frage der Perspektive, wenn es um die Einschätzung der Goldperformance geht: Seit einem Ausflug in Richtung 1.358 US-Dollar je Feinunze im Januar bewegt sich der Goldpreis zwischen 1.320 und 1.350 US-Dollar für die Feinunze seitwärts. Gewinne und Verluste werden relativ schnell wieder ausgeglichen, allerdings fehlt ein eindeutiger Impuls. Erst müsste die Marke von 1.326 US-Dollar je Feinunze wieder nachhaltig nach oben durchbrochen werden, um einen echten Ausbruch vorzubereiten. Der generelle Aufwärtstrend scheint noch intakt, denn diese Situation muss nicht zwangsläufig als negativ beurteilt werden. Angesichts der politischen Entwicklung, die dem US-Dollar abwechselnd Auftrieb gibt oder ihn unter Druck setzt, hält sich das Edelmetall bislang tapfer.

Politische Spannungen nehmen zu: Kann der Goldpreis profitieren?

Aktuell ist Gold jedoch sogar unter 1.320 US-Dollar je Feinunze gefallen, was Investoren noch nicht über die Maßen beunruhigen sollte. Das globale Umfeld spricht vielmehr für Gold: Da sind einerseits die Spannungen zwischen Großbritannien und Russland, die auf bislang ungeklärten Vorfällen und daraus resultierenden Schuldzuweisungen beruhen. Russland wird unterstellt, für einen Giftanschlag auf einen russischen Ex-Agenten in England verantwortlich zu sein. Mit einer Brandrede hat Theresa May Sanktionen verhängt, die bilateralen Beziehungen ausgesetzt und direkt 23 Diplomaten Russlands aus Großbritannien ausgewiesen. Die staatlichen russischen Vermögen sollen von der britischen Regierung eingefroren werden, sollte es sich bestätigen, dass diese zur Bedrohung britischer Bürger eingesetzt würden. Die Reaktion erfolgte prompt, Russland will Vergeltungsmaßnahmen ergreifen.

Darüber hinaus zeichnet sich ein von den USA ausgehender Handelskrieg immer deutlicher ab, US-Importe sollen sich demnach um bis zu 25 Prozent verteuern. Insbesondere betroffen könnten BMW und Mercedes sein, die USA importieren rund zehn Prozent der deutschen Autoproduktion. Ob und inwieweit dieser US-Protektionismus ein Instrument gegen das Warenbilanzdefizit der USA sein kann, ist nach wie vor umstritten. Kurzfristig dürften die USA durchaus Effekte bewirken, allerdings werden die globalen Marktteilnehmer nicht einfach ruhig zuschauen, sondern ihrerseits Gegenstrategien entwickeln – wie schon von der EU angekündigt wurde. Es bleibt nun abzuwarten, ob sich Larry Kudlow, der neue Wirtschaftsberater des US-Präsidenten durchsetzen kann. Dieser regte nämlich die Stärkung der eigenen Währung an, was für den Goldpreis jedoch negativ wäre. Die aktuelle Ruhe im Goldpreis könnte also täuschen, der Boden für einen Ausbruch ist durchaus bereitet.