Aktueller Goldkurs

16.11.18, 21:59 Uhr (GMT)

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Goldpreis dramatisch unter Druck – Bitcoin stiehlt dem Edelmetall die Show

Geopolitik findet für Marktteilnehmer ebenso wenig statt wie die verhaltenen Bewegungen an den Aktienmärkten oder sinkende Anleiherenditen: Der Goldpreis fällt unter die wichtigen Unterstützungslinien – ohne ersichtlichen Grund.

Kräftiger Rutsch bei Gold und anderen Edelmetallen

Auch die Linie von 1.250 US-Dollar für die Feinunze Gold hat nicht gehalten, ein weiterer Rutsch auf das Niveau um 1.200 US-Dollar je Feinunze ist damit durchaus möglich. Mitte der vergangenen Handelswoche deutete sich bereits eine Korrektur an, allerdings fehlten zu diesem Zeitpunkt noch die Anschlussverkäufe, die nun etwas verzögert offenbar eingesetzt haben. Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Entwicklungen ist dies nicht nachzuvollziehen – allerdings wirken unterschiedliche Kräfte auf den Goldpreis ein.

Was für einen steigenden Goldpreis spricht

Wieder war es US-Präsident Donald Trump, der die Welt in Unruhe versetzte. Er erkannte Jerusalem als Hauptstadt Israels an und legte damit die Lunte an ein ohnehin gut gefülltes Pulverfass. Von “Tagen des Zorns” ist bereits seitens der Palästinenser die Rede, der türkische Ministerpräsident Yildirim sieht die “Büchse der Pandora geöffnet”. Aber auch der Konflikt mit Nordkorea wird weiter befeuert, Saudi-Arabien und der Iran fechten ihre Konflikte im Jemen aus, die Ukraine sollte über all dem nicht aus dem Blick verloren werden.

So ganz nebenbei schaffte es Donald Trump im letzten Moment, den Government Shutdown abzuwenden – allerdings nur für zwei Wochen. Noch vor Weihnachten müssen also die Weichen neu gestellt werden, um einen Stillstand wegen Geldmangels zu umgehen. Mit Sicherheit wird die Schuldenobergrenze erneut nach oben verschoben werden, jedoch verknüpfen die Demokraten einige Forderungen in Bezug auf die Ausgabenverteilung.

Was dem Goldpreis die Luft nimmt

Die FED tut sich zwar noch schwer, allerdings gilt die Mini-Zinserhöhung im Dezember als sicher. Daraus ließe sich nun ableiten, dass auch die Realzinsen in absehbarer Zeit nachziehen könnten. Gleichzeitig ist die Inflation nach wie vor relativ niedrig – beide Faktoren drücken auf den Goldpreis. Da nun auch noch der US-Dollar etwas an Stärke gewinnt und die positiven Daten aus der Wirtschaft die Aktienmärkte stützen, blenden Marktteilnehmer die gravierenden Risiken offensichtlich aus.

Nicht zuletzt der durch die Decke schießende Bitcoin hat in den letzten Monaten die Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Einerseits eröffnet die digitale Währung ein von den Finanzsystemen unabhängiges Agieren, andererseits fehlt für den Zuwachs von 1.000 auf mehr als 16.500 US-Dollar im laufenden Jahr jegliches Beispiel. Ob es sich um eine Blase handelt, bleibt abzuwarten. Zuletzt hatte die US-Regulierungsbehörde den Bitcoin-Futures-Handel zugelassen, was den drastischen Kursanstieg auslöste.

Für Gold werden die nächsten Tage entscheidend: Kann es sich wieder über die Zone zwischen 1.620 bis 1.267 US-Dollar je Feinunze arbeiten, ist alles möglich.