Aktueller Goldkurs

22.09.17, 22:59 Uhr (GMT)

1.085 Euro | 1.297 USD

Gold treibt im Strudel der Geopolitik nach oben

Das Umfeld für Gold ist bereitet – von geopolitischen Unsicherheiten bis hin zu niedrigen und sogar negativen Realzinsen. Aktuell meldet sich das Edelmetall als Krisenwährung mit einem kräftigen Satz nach oben eindrucksvoll zurück.

Normalität an den Märkten? Weit gefehlt!

Die jüngsten Äußerungen der US-Administration tragen nicht zur geopolitischen Entspannung bei, im Gegenteil: Die Absicht, bei erneuten nordkoreanischen Raketentests zu intervenieren und die Rakete abzuschießen, ließen nicht nur die Renditen für US-amerikanische Staatsanleihen in den Keller purzeln, sondern brachten auch den US-Dollar unter Druck. Offensichtlich wird dieser nicht mehr als sichere Anlage eingeschätzt. Dass die Realisierung des Vorhabens für eine weitere Eskalation sorgen dürfte, kann als wahrscheinlich angesehen werden – die Folgen wären unabsehbar.

Der so ausgelöste Strudel riss auch den DAX unter die Marke von 12.000 Punkten. Im Zusammenspiel mit lediglich durchwachsenen Daten, die im Zuge der Berichtssaison von US-Unternehmen veröffentlicht wurden, könnte die sogenannte Trump-Rallye ein jähes Ende finden. Ende April warten weitere Herausforderungen: Einerseits steht mit dem Jahrestag der Gründung Nordkoreas ein weiterer Atomtest auf dem Programm, andererseits gehen der US-Administration wieder einmal die liquiden Mittel aus – der Government Shutdown droht, sollte die Obergrenze für die US-Staatsverschuldung nicht bis dahin angehoben worden sein. Alles in allem: Der Boden für einen Goldpreis-Anstieg ist bereitet.

Gold reagiert prompt – Rückkehr der Krisenstimmung

Heute wurde die Marke von 1.290 US-Dollar für die Feinunze geknackt, trotz aller Gewinnmitnahmen arbeitet sich das Edelmetall sukzessive weiter nach oben. Hier bestätigt sich einmal mehr die Einschätzung, die Eugen Weinberg von der Commerzbank zum Thema Gold abgegeben hatte: Die Bedeutung als Investment nimmt zu, als Rohstoff ist Gold bereits seit den 1990er Jahren nicht mehr so relevant. Sollten die Produktionskosten steigen, würde sich das kaum auf den Goldpreis auswirken. Einerseits sieht Weinberg hier andere Impulse, nämlich die Geopolitik, Geldpolitik und Wirtschaft, von denen das Edelmetall abhängig ist. Andererseits hätten die Produzenten die Wahl zwischen Erzen mit hohem Goldanteil, die sich in Hochpreis-Zeiten verwerten lassen, und mit niedrigerem Anteil – es gibt also einen lukrativen Ausgleich.

Neben den geopolitischen Verwerfungen führt Weinberg die Situation um die Zinsen an: Ist der Realzins, also der zu generierende Zinssatz im Verhältnis zur Inflationsrate, sehr niedrig oder gar negativ wie im Moment, steigt die Nachfrage nach Gold, um die Vermögen zu sichern. Mit seiner Prognose, dass das Edelmetall bis zum Jahresende mindestens 1.300 US-Dollar für die Feinunze kosten könnte, lag Eugen Weinberg bislang goldrichtig – auch wenn das Frühjahr noch nicht vorüber ist.