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19.06.18, 14:18 Uhr (GMT)

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Deutsche und britische Finanzaufsichtsbehörden untersuchen vermutliche Goldpreis-Manipulationen

Zwei voneinander unabhängige Studien haben die Manipulierbarkeit des Goldpreises untersucht. Sie sind zu drastischen Ergebnissen gekommen, die sowohl die deutsche als auch die britische Finanzaufsichtsbehörde auf den Plan gerufen haben.

Goldpreis Fixing im Visier von Alvares-Metz und Metz

Der Goldpreis wird zweimal täglich in einer Telefonkonferenz, in die fünf führende Banken involviert sind, festgelegt (beim sog. goldfixing). Zu den Beteiligten gehören neben der Deutschen Bank die Bank of Nova Scotia, HSBC Holdings, Barclays und die Société Générale. Mit Rosa Abrantes-Metz, einer Professorin der New York University, und Albert Metz, seines Zeichens Analyst bei Moody´s, tauchen bekannte Namen als Initiatoren der einen Studie auf. Vor allem Rosa Abrantes-Metz machte sich bereits einen Namen als Beraterin der Europäischen Union sowie der Internationalen Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden. Schon beim Interbanken-Zinssatz entdeckte sie Manipulationen, die zu erheblichen Strafzahlungen durch Banken führten. Nun hat sie sich mit der Goldpreis-Festsetzung, die regelmäßig um 10.30 Uhr und um 15.00 Uhr nach Londoner Zeit durchgeführt wird, intensiv befasst. Der Untersuchungszeitraum umfasste die Jahre zwischen 2001 und 2013, wobei seit 2004 vermehrt Preisausschläge zum Zeitpunkt des Fixings zu konstatieren waren. Auffällig sei demnach, dass der überwiegende Teil dieser Ausschläge nach unten zeigte.

Fideres erhält ähnliches Ergebnis

Das Londoner Beratungsunternehmen Fideres hat seinerseits die Goldpreis-Entwicklung im Zeitraum zwischen 2010 und 2013 untersucht. Das erschreckende Ergebnis: Der Preis ist in rund 50 Prozent der analysierten Fälle offensichtlich manipuliert worden. Die gravierenden Änderungen waren bevorzugt während der beiden täglichen Fixing-Telefonkonferenzen festzustellen. Den extremen Ausschlag, der sowohl ein Tief als auch ein Hoch darstellen konnte, erzielte der Goldpreis dabei immer zum Ende der Besprechung, um sich dann in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen. Dieses Verhalten wurde als sehr verdächtig und vollkommen untypisch eingestuft. Nun muss sich herausstellen, zu welchen Ermittlungsergebnissen die Finanzaufsichtsbehörden gelangen. Allerdings darf an dieser Stelle hinterfragt werden, wo die Interessen der Behörden liegen. Wurde der Preis für das Edelmetall nämlich wirklich nach unten künstlich beeinflusst, stünde einer Steigerung nun nichts mehr im Wege. Allerdings liegt der derzeitige Goldpreis um ein Fünffaches über dem Goldpreises von 2001 und die Geldschwemme durch die Notenbanken hält weiter an. Sollten die Behörden allerdings die Manipulationen aufdecken, drohen wiederum drastische Strafen für die beteiligten Banken.

Prognosen für Gold trotzdem gut

Auch wenn die behördliche Ermittlungstätigkeit zu beobachten bleibt, von einer verstärkten Sensibilität im Bezug auf die Preisentwicklung können Anleger auf jeden Fall profitieren. Insbesondere vor dem Hintergrund der großen Unsicherheiten an den Aktien- und Anleihe-Märkten, die nicht zuletzt durch politische Unruhen befeuert werden, könnte sich Gold als sicherer Hafen wieder zunehmend als einer Nachfrage erfreuen.