Aktueller Goldkurs

15.12.17, 11:20 Uhr (GMT)

1.061 Euro | 1.257 USD

Der Goldpreis – verschiedene Blickwinkel, unterschiedliche Sichtweisen

Das Edelmetall musste in den letzten Tagen wieder eine deutliche Korrektur hinnehmen, aktuell notiert Gold bei 1.663 US-Dollar je Feinunze. Die vermeintlich robusten Zahlen vom US-amerikanischen Arbeitsmarkt werden als einer der Gründe ausgemacht, der starke US-Dollar bzw. der schwache Euro taten ein Übriges. Allerdings verändert sich die Analyse, wenn der Goldpreis in Euro betrachtet wird.

Die US-Wirtschaft und ihre Währung

Boomende Aktienmärkte und ein starker US-Dollar – sind dies die Indikatoren für die Stärke der US-Wirtschaft? Mitnichten, wie schon der Ex-FED-Chef Alan Greenspan eindrücklich klar gemacht hat. Nicht zuletzt der schwache Euro, der mit Eintritt in das QE-Programm der EZB erneut unter Druck geriet und um die Marke von 1,06 US-Dollar kämpft, ist für die vermeintliche Stärke verantwortlich. Der Aktienboom entspringt eher der Tatsache, dass für liquides Kapital kein anderer Ausweg auf der Suche nach Rendite bleibt. Vor allem die europäischen Werte stehen im Fokus, denn der starke Dollar macht den Einkauf für US-Investoren noch attraktiver- die Folgen dieser Marktverzerrungen sind noch gar nicht abzusehen. Letztendlich werden die europäischen Vermögen enorm abgewertet, die Altersversorgungen in all ihren Durchführungswegen müssen bittere Verluste hinnehmen.

Gleichzeitig kämpfen die großen Industrienationen um eine moderate Inflation, um die eigenen Staatsschulden überhaupt in den Griff bekommen zu können. Die Realität sieht allerdings anders aus, deflationäre Tendenzen verstärken die Wirtschaftsflaute: Das Überangebot an Öl drückt den Preis und dieser die Energiekosten, von einer Inflation ist weit und breit nichts zu sehen. Schon aus diesem Grund ist die Goldnachfrage relativ gering – wenn nicht der unstillbare chinesische Appetit sowie das indische Akshaya-Tritiya-Fest im April, bei dem traditionell Gold und Schmuck verschenkt werden, für eine schnelle Wiederbelebung sorgen.

Goldpreis in Euro – eine andere Perspektive

Natürlich beziehen sich die meisten Analysten auf die Goldpreis-Entwicklung in US-Dollar, schließlich wird das Edelmetall in dieser Währung gehandelt. Die Charts in Euro weisen jedoch eine ganz andere Entwicklung auf: Seit Ende 2014 konnte das Edelmetall um rund 13 Prozent zulegen – der Euro ist respektive um 13 Prozent gegenüber Gold eingebrochen. Es ist also alles eine Frage des Blickwinkels: Gold ist heute 163 Prozent teurer als vor zehn Jahren, kostet sogar viermal so viel wie im Jahr 2000 – in US-Dollar gerechnet. Verliert nun der Euro weiter Kaufkraft im Verhältnis zum US-Dollar, steigt der Wert des Edelmetalls – zumindest im Verhältnis zur Gemeinschaftswährung. Im Gegensatz zum Euro wird Gold aber Bestand haben – was angesichts der aktuellen Entwicklungen im Euro-Raum für die Währung nicht mit Sicherheit behauptet werden kann.